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Gabrieles podcast - Wieder FreudeamLeben


Jun 28, 2017

  1. Ihre Geschichte
    • In welcher Lebenssituation stehen Sie gerade?
      Ledig/verheiratet, Kinder, berufstätig
    • Wenn Sie jemand fragt, was war Ihr intensivstes Erlebnis.
      Wie antworten Sie in 15 Sekunden?

Ich wuchs als zweitjüngstes Kind mit sieben Geschwistern in Sibirien,Kirgisien und Estland auf. Ein äußerst sensibles, kränkliches Mädchen, aber extrem wissbegierig. Stundenlang konnte ich mich alleine beschäftigen oder etwas beobachten. Auf meinen Wunsch, hatte meine Mutter mir das russische und deutsche Alphabet beigebracht und so konnte ich schon vor der Einschulung in zwei Sprachen lesen und schreiben.Bis heute kann ich nicht einen Tag ohne Lesen. Das brauche ich wie das tägliche Brot.

Als ich 1979 nach Deutschland kam, war ich fast fünfzehn Jahre alt und mein Leben änderte sich total. Plötzlich war nichts mehr so wie vorher. Ich hatte schreckliches Heimweh nach Estland, unserem Haus und der Natur, wo ich die glücklichsten Jahre meiner Kindheit und Jugend verbracht hatte. Die Umstellung war schwer. Doch langsam gewöhnte ich mich an das neue Leben. Inzwischen war ich achtzehn geworden, als mich eines Tages eine schwere beidseitige Lungenentzündung beinahe das Leben gekostet hätte und zwei Monate ans Bett fesselte. Durch die Krankheit war ich bis auf 45 Kilo abgemagert. 

Danach kam ein Jahr der Nachbehandlung, bevor ich wieder als gesund galt.

 

 Mit zwanzig heiratete ich meinen Mann Willi, mit dem ich immer noch zusammen bin. Wir haben viel durchlebt; die Geburten unserer vier Kinder, das Leben mit der Behinderung unseres erstgeborenen Sohnes, dann seinen Tod. Es waren schwere Jahre, in denen ich viele Tränen vergossen habe, und mit Gott und dem Schicksal gehadert habe. Bis ich gelernt hatte, das

 Unvermeidliche zu akzeptieren und anzunehmen. Ich wollte wieder glücklich sein und für meine anderen Kinder da sein. Sie brauchten ihre Mutter. Und sie gaben mir Kraft und neuen Mut. Dennoch wollte die Trauer um mein verstorbenes Kind nicht weichen, denn niemand wollte mit mir über ihn reden. Sobald ich auf ihn zu sprechen kam, blockten alle sofort ab. Er wurde einfach totgeschwiegen. Deshalb begann ich mir alles von der Seele zu schreiben, um meine Trauer zu bewältigen, die mich innerlich auffraß. Ich schrieb und weinte, schrieb weiter, und die Schulhefte wurden immer mehr. Erst da kam mir die Idee ein Buch draus zu machen. Was ich dann auch getan habe. Aber erst musste ich das ganze nochmals mit dem Computer schreiben. So entstand mein Buch. Es hat mir geholfen, meine Trauer zu überwinden. Ich werde das was wir erlebt haben nie vergessen! Aber heute kann ich sagen: "Gott wusste, warum er unser Kind zu sich holte. Ich akzeptiere es. Und irgedwann werden wir uns wiedersehen." Mit dieser Hoffnung lebe ich.

 

  1. Was sind Ihre Werte im Leben?

Die bedeutendsten Werte im Leben sind für mich Liebe, Familie, Natur, Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. Ich bin immer für meine Familie da. Ich versuche das alles im Leben umzusetzen und habe diese Werte auch an meine Kinder weitergegeben. 

Am wichtigsten im Leben sind für mich Gesundheit und die Menschen, mit denen ich lebe (meine Kinder, mein Mann).

  1. Was ist für Sie am Wichtigsten im Leben?
    • Wie wichtig ist Ihnen Geld?

Geld braucht man, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Es wäre schon sehr angenehm, wenn man nicht jeden Euro dreimal umdrehen müsste, bevor man ihn ausgibt. Es würde das Leben ein bisschen leichter machen, wenn man es hätte.

  • Wie wichtig ist Ihnen Erfolg?

Wenn der Erfolg damit zusammenhängt, durch die Erfahrungen aus meinem Buch, den Menschen zu helfen, sie zu motivieren, ihnen neuen Lebensmut zu geben - dann freue ich mich über ihn.

  1. Was ist für Sie Glück?
    • Wie finden Sie Ihr Glück?

Glück ist für mich, jemandem etwas Gutes tun, ein erwidertes Lächeln. Eine Pflanze, an der ich mich erfreue, einen Sonnenuntergang genießen. Einen Ehemann zu haben, der in jeder Lebenssituation zu mir hält, Kinder zu haben. Zu schreiben und zu malen. In einem Haus mit großem Garten zu leben. Etwas Bleibendes zu erschaffen.

  1. Was war Ihr schlimmster Moment im Leben?

Der schlimmste Moment im Leben war der Tod meines Kindes

Unser Sohn war von Geburt an behindert. Nur ahnten wir nichts davon. Die Ärzte hatten es uns nicht gesagt. Aber meine Mutter hatte es sofort gesehen. Ich wollte ihr nicht glauben, dass mit unserem Kind etwas nicht stimmte. Nach drei Monaten konnte auch ich es sehen. Doch der Kinderarzt behauptete, er wäre nur faul. Mit sechs Monaten kam dann von ihm die erste Diagnose, aber immer noch kein Wort von Behinderung. Wir verloren das Vertrauen und wechselten den Kinderarzt. Er eröffnete uns, dass unser Kind behindert ist und es auch immer bleiben würde. Seine Diagnose lautete: Mikrozephalie (kleiner Kopf, kleines Gehirn) und Tetraspastik (alle vier Extremitäten hatten einen spastischen Muskeltonus), das hieß, dass seine Arme und Beine spastisch gelähmt waren. Er würde nie alleine sitzen und gehen können, müsste immer gefüttert und gewickelt werden und würde sein ganzes Leben im Rollstuhl verbringen müssen. Diese Diagnose war ein Schock für uns. Es stellte unser ganzes Leben auf den Kopf. Es dauerte eine Weile bis ich das akzeptieren konnte. Aber ich liebte mein Kind und wollte immer für ihn da sein, solange er mich brauchen würde. Das schrecklichste jedoch waren die Gehirnkrämpfe, die noch hinzukamen.

 Es war für uns sehr schwer, zu sehen, wie unser Kind leidet, und nichts machen zu können.

Mit dem Eintrit in den Sonderkindergarten wurde er krank und erholte sich nicht mehr. Sein Körper war zu schwach, er hatte keine Abwehrkräfte, um einen harmlosen Infekt abzuwehren. Dann starb er. Mit gerade vier Jahren.

Mir schien, als wäre auch mein Leben zu ende. Alles war so trostlos ohne ihn. Ich weinte nur noch und konnte gar nicht mehraufhören. Ich dachte, ich könnte nie mehr lachen und fröhlich sein.

  1. Wie haben Sie es geschafft, Ihr inneres Gleichgewicht zu finden?
    • Wie haben Sie Ihr Gleichgewicht gefunden?

Am Anfang hab ich nur funktioniert. Aber meine zwei Töchter brauchten mich. Sie gaben mir Kraft, um weiterzuleben. Ich hatte eine Verantwortung zu tragen, um sie zu erziehen und zu guten Menschen zu machen. Um für sie da zu sein.

  1. Wenn es mal nicht so gut läuft….
    • Was machen Sie um wieder Mut und gute Laune zu bekommen?

Wenn es mal nicht so gut läuft, dann denke ich an schöne Erlebnisse aus meinem Leben. Oder was ich noch Schönes machen will im Leben, z.B. Kinderbücher schreiben, Bilder malen, den Garten gestalten.

Nicht alles versuchen mit sich selbst auszumachen, sondern mit anderen Menschen darüber reden, z. B. um eine Trauer zu überwinden. Das ist eine große Hilfe, die ich leider nicht hatte. Aber heutzutage gibt es ja Stellen, wo man seelische Unterstützung bekommt. Zögert nicht, sie anzunehmen.

Auf der Seite vom Verlag Hartmut Becker kann man weitere Infos über mich finden, z.B. über mein Buch Wie ein kurzer Sonnenstrahl" Mein Leben mit einem behinderten Kind. Oder Termine für meine Lesungen.

  1. Flashlight-Runde: Kurze Frage, schnelle Antwort
  2. Was für eine Auswirkung hatte Ihre Erfahrung auf Ihr weiteres Leben?
    Nichts als selbstverständlich zu sehen.
  3. Was war der beste Ratschlag, den Sie jemals erhalten haben?
    Sich im Leben nicht alles gefallen zu lassen.
  4. Was ist Ihre größte Schwäche als Mensch und wie gehen Sie damit um?
    Meine größte Schwäche ist meine Ungeduld. Ich versuche mich zu ändern.
  5. Was ist Ihre größte Stärke als Mensch?
    Meine größte Stärke als Mensch sind meine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft und ein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit.
  6. Was war der wichtigste Schritt, der Sie wieder ins Gleichgewicht gebracht hat?
    Die Liebe zu meinen Kindern.
  7. Was ist Ihre beste Buch- oder Hörbuchempfehlung?
    Außer meinem eigenen Buch würde ich den Lesern die "Anastasia" Bücher empfehlen, von Vladimir Megre.
  8. Wer hat Sie in Ihrem Leben inspiriert / vorangebracht und warum?
    Mein Vater. Er war immer mein Vorbild. Ich wollte so sein wie er; liebevoll, gütig, hilfsbereit, fleißig und geduldig. Er überlegte immer zuerst, bevor er etwas sagte. Und er war sehr ordentlich.
  9. Welcher Leitsatz ist für Sie wichtig?
    "Folge deinem Herzen und deine Träume werden wahr."
  10. Stellen Sie sich vor Sie könnten Ihr Leben mit jemandem tauschen:
    Würden Sie tauschen?
    Nein, ich würde mein Leben mit niemandem tauschen. Weil die Erfahrungen, die ich durchlebt habe, mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin